Wahr schön gut

WSG-210Theater Tanz Musik Kunst
Premiere: Do, 27. 10. um 20 Uhr
Mit Texten von Goethe, Schiller, Platon, Ovid, Hildegard von Bingen, Claudius, Schwitters, Jandl, der IHK Oldenburg u.a.
Ein für die Region einmaliges Projekt begibt sich auf die Spuren jener Zeit, die in der Kunst noch wahre Menschlichkeit suchte, das Schöne, Gute und Wahre. Die Klassik sah in den harmonischen Formen der Kunstwerke ein Modell, das für alle Menschen einen „Vorschein“ der idealen Gesellschaft zeigte.
Wenn sich vom 27. – 30. Oktober 2011 Schauspieler, Sänger, Musiker, Tänzer und bildende Künstler in der HebelHalle Heidelberg unter dieser zentralen Idee treffen, bringen sie vorrangig Texte, Bilder und Kompositionen der Antike und Klassik zur Aufführung. Sie setzen sie in Bezug zu aktuellen Ereignissen und verweisen so auf ihre fortdauernde Aktualität und Lebendigkeit.
Der Abend beginnt thematisch mit der wechselseitigen Einwirkung von Orient und Okzident, ganz im Sinne von Goethes West-Östlichem Diwan. Tanzende Derwische kreisen zu altorientalischer Musik. Wenn diese sich fast beiläufig in Gregorianischen Gesang wandelt, wird die Brücke zwischen christlicher und islamischer Mystik spürbar. Ali Ungan, Martin Bärenz, Cris Gavazoni und Jutta Glaser wagen diesen musikalischen und thematischen Parforceritt über Zeiten und Kontinente.
WSG-342Oliver Groszer, ein international bekannter Jongleur, lässt nicht nur Bälle und Keulen wirbeln, sondern jongliert parallel dazu auch mit Platons Gedanken über das Schöne (Phaidros). Leichtigkeit und gedankliche Tiefe finden zu einer Harmonie, die dann zerstört wird, wenn er als ehemaliger Odenwaldschüler auf die dort übliche Praxis verweist, Platon als Kronzeugen für die sexuellen Übergriffe zu missbrauchen.
In einem vor den Augen der Zuschauer entstehenden Kunstraum, der sich füllt mit Projektionen bildender Künstler in Extremsituationen, trägt die bekannte Rezitatorin Verena Buss lebenspralle Szenen aus Ovids Metamorphosen vor…
Soviel sei bisher verraten. Die geschilderten Szenen sollen einen Eindruck vermitteln über Inhalt und Charakter der Texte, über Ästhetik und Atmosphäre der Darstellung. Der etwa zweistündige Abend gewinnt seine Gestalt aus unterschiedlichen Bildern und Ereignissen, deren zentrale Fragestellungen heißen:
WSG-436Können wir dieser klassischen Denkweise auch heute noch folgen? Trauen wir der aktuellen Kunst diesen zentralen Stellenwert (noch) zu? Was ist für uns Heutige wirklich und wahrhaftig, angesichts der medialen Aufrüstung, die zwischen Realität und Fiktion keine Grenze mehr kennt? Was ist über Zeiten und Räume hinweg das Verbindende im Kunstprozess?
Würden Schiller und Goethe die Ästhetisierung des Alltags dem Schönen zuordnen oder nicht eher dem schönen Schein, der die Oberfläche poliert statt zum Wesen der Dinge vorzudringen? Nicht zuletzt: Hat das Gute noch eine Chance, wenn selbst größte globale Katastrophen derart „designed“ werden, dass ihr Schrecken und ihre Grausamkeit im wahrsten Sinne aus dem Blick geraten?
Konzeption und Produktion: Hubert Habig
Musikalische Leitung: Jutta Glaser
Raum: Motz Tietze
Choreographie: Mario Heinemann
Dramaturgie: Christiane Adam
Produktionsassistenz: Erika Ebel
Marketing und Grafik: Gerhard Fontagnier
Mitwirkende: Martin Bärenz, Felix Berchtold, Verena Buss, Cris Gavazoni, Miriam Grimm, Jutta Glaser, Miriam Grimm, Oliver Groszer, Erim Güney, Florian Kaiser, Ali Ungan, Svetlana Wall
Vorstellungen am Do, 27. / Fr, 28. / Sa, 29. 10. 2011 jeweils um 20:00 Uhr
Podiumsgespräch in Kooperation mit der Goethe-Gesellschaft Heidelberg
So, 30.10. 2011 um 20:00 Uhr
WAS MACHT DIE KUNST?
Mit ausgewählten Programmpunkten der Aufführung
Mit dem Germanisten und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Jochen Hörisch, dem Psychotherapeuten Prof. Dr. Rainer Holm-Hadulla, der Schauspielerin und Dozentin Verena Buss, dem Chefdramaturgen des Mannheimer Nationaltheaters Ingoh Brux, dem Leiter des DAI Jakob Köllhofer, dem Regisseur Hubert Habig und dem freien Journalisten Arndt Krödel.
Pressecho:
Mannheimer 31. Oktober 2011
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