Aktuelles

Befund

Die Pandemie zwingt uns zum Innehalten, gibt uns aber auch Zeit, um über Vergangenes nachzudenken, den Bogen zum Kommenden zu spannen und verschiedene Fragen zu stellen: Was bewegt uns? Welche Themen prägen unseren Alltag? Was wollen wir erzählen?

In unserem Antiken-Projekt „Antigone-Corona“ ist es gelungen, zahlreiche BürgerInnen Heidelbergs in die praktische Vorbereitung der Inszenierung über eine Zeitspanne von sechs Monaten einzubeziehen, um die Wahrnehmung des Theaters in der Mitte unserer Kommune zu verwirklichen.

Am Ende war uns und vielen BesucherInnen klar, dass es weitergehen muss! Eine Grundstruktur ist geschaffen. Die Stadtteilvereine sind für eine Kooperation gewonnen; Läden, Geschäfte, Arztpraxen sind zuverlässige Multiplikatoren. Reizvolle Locations wurden entdeckt. Der Chor wäre wieder dabei. In besonderem Maße sollten nun auch (erwachsene) SchülerInnen aller Schularten und StudentInnen der beiden Hochschulen zur Mitarbeit bewegt werden.

Ausschau

Die Bürger der antiken Polis vertraten die Interessen ihres jeweiligen Stadtteils, die oft im Widerspruch zu denen der Zentralregierung standen. Wie in der Antigone prallten manchmal ganze Rechtssysteme aufeinander. Nach diesem Muster wird eine Arbeitsstruktur entworfen, die eine direkte Mitarbeit diverser Bevölkerungskreise – auch der sog. bildungsfernen – ermöglicht; sie ermuntert, eigene Ideen und Vorstellungen einzubringen.

Die Inhalte

Frauenbilder in der Antike: Medea

In überraschend vielen Stücken der Antike spielen Frauen eine zentrale Rolle. Dabei entspricht deren Rollenverhalten keineswegs jenem Muster, das die damaligen Frauen zu einer Hintergrundexistenz im Haus am Herd (Oikos) und am Spinnrad zwang. Bei politischen Versammlungen waren die Frauen ausgeschlossen, Demokratie galt nicht für sie, am gesellschaftlichen Leben konnten sie nicht teilnehmen.  Theaterbesuche oder gar Mitwirkung in einer Aufführung waren undenkbar. Ihre Rollen wurden von Männern gespielt. Dennoch brachen diese Frauenrollen alle gesellschaftlichen und politischen Konventionen. Sie waren hinsichtlich ihrer Radikalität extremer als die Männer. Waren sie nicht die wahren Heroinnen?

Medea ist einerseits eine leidenschaftliche und verliebte Frau und Mutter. Auf der anderen Seite zeigt sie sich als aggressive und destruktive Rasende, die in ihrem Zorn keine Grenzen kennt. In ihrer Heimat Kolchis wurde sie als Prinzessin erzogen. Im fremden Korinth muss Medea aber erfahren, dass sie auf Grund ihrer Fremdheit ausgestoßen wird. Bis zu einem gewissen Grad erträgt sie das. Erst durch den Verrat ihres Ehemanns Jason ist ihr Stolz zutiefst gekränkt, sie verkraftet es nicht, betrogen zu werden. Daraufhin zieht Medea die männliche Kriegerethik der Menschlichkeit vor, tötet ihre Kinder und misst somit ihr ganzes Tun am Ehrenkodex eines Kriegers.

Lesungen

Ab Februar 2022 werden wir in regelmäßigen Abständen öffentliche Lesungen zu diesen Themata durchführen. Zeit und Ort werden noch bekanntgegeben.