1932 – Briefe aus Berlin UA

                            

Eine Theaterperformance zum bürgerlichen Leben in „Weimarer Verhältnissen“

Neue interessante Entwicklungen haben sich in der weiteren Planung des Projekts ergeben. Sie wirken sich auch auf die Inhalte (Punkt 3) und die Verbreitung aus. Vor allem sind weitere Kooperationspartner (Punkt 4) auch in anderen Städten gefunden worden, mit denen Gastspiele geplant werden.

  1. Projektbeschreibung

Ausgangspunkt ist ein kostbarer Sperrmüllfund: die Briefe zweier Brüder, die in den 30er Jahren in Berlin lebten, an ihre Eltern in der Kurpfalz. Unter den Titeln Walter’s gesammelte Werke“ bzw. Herbert’s lyrische Ergüsse“ haben die Eltern diese ca. 100 Briefe und Postkarten zwischen März 1930 und Juni 1932 in 2 Schnellheftern gesammelt. Jemand hat sie dann Generationen später offenbar bei einer Entrümpelung entsorgt.

Der Fund regte unsere Gruppe spontan an, einen kreativen Umgang mit seinen Inhalten und Motiven zu suchen. Geplant ist eine theatrale und filmische Umsetzung, damit aus privaten Zeugnissen ein Panorama von historischer Dimension wird. (à „gnadenlose Alltäglichkeit“)

Ästhetische und inhaltliche Schwerpunkte:

  • Interdisziplinär (Schauspiel, Tanz, Film, Geschichts- und Kulturwissenschaft, „Reenacting History“)
  • genreübergreifender/synästhetischer Ansatz zwischen Kunst und Dokumentation
  • ästhetisch-reflektierender Ansatz: erkennbar zwischen Dokumentation und Fiktion unterscheidend
  1. Projektziele

Das Projekt konfrontiert die private, manchmal intime Atmosphäre der Briefe mit den harten historischen Gegebenheiten. Sie bestimmen nicht den Tenor der Briefe, werden gleichwohl eruptiv und schonungslos da und dort kurz erwähnt, um gleich wieder mit privatem Kleinkram so abzulenken, als wollte man sie ungeschehen machen und die Eltern nicht beunruhigen. Und dennoch wird deutlich, wie die Fassade der Gutbürgerlichkeit bröckelt, kulturell und ökonomisch, wie der Mittelstand zerbröselt, die Lebensumstände immer prekärer werden. Das Leben in der Metropole wird unbezahlbar, der Ruf nach radikalen Lösungen wird auch bei den Brüdern lauter.

Natürlich drängen sich Parallelen zur heutigen Situation auf. Die Inszenierung der Briefe will diese verdeutlichen und somit erkennbarer machen.

  1. Geplante Aktivitäten

Das Projekt wird in drei Phasen erarbeitet und präsentiert.

3.1 Hören: Es beginnt mit der Lesung von Auszügen, die eingebettet sind in Nachrichten über den Alltag im aufgewühlten Berlin. Deutlich wird der vergebliche Wunsch, eine Insel der Gutbürgerlichkeit im revolutionären Gewoge zu erhalten.

3.2 Schauen: In Zusammenarbeit mit einer Choreographin und einer Musikerin wird eine Spielfassung erarbeitet, in der die Briefe den Ausgangspunkt bilden für einen Reigen des Lebens- und Überlebenswillens. Nach dem Motto „Rette sich wer kann“ werden Bilder im Stil der modèles vivants entwickelt, welche die geschönten Schilderungen der Briefe mit dem harten Alltagskampf kontrastieren.

3.3 Erleben: Die endgültige Spielfassung wird in einer mindestens zweimonatigen Probenphase mit Schauspielernnen, TänzerInnen und MusikerInnen erarbeitet und dann zur Premiere gebracht. Vorstellungen sind bisher in Heidelberg, Ludwigshafen, Mannheim und Berlin geplant. Diese werden in Kooperation mit dort ansässigen Institutionen und Künstlern organisiert.

  1. Neue Kooperationspartner

Mit diesen Partnern werden Gespräche geführt:

Freundeskreis Literaturhaus Heidelberg e. V.

Karlstorbahnhof Heidelberg

Dezernat 16 Heidelberg

Haus Cajeth, Heidelberg

Marchivum Stadtarchiv Mannheim

TIG 7 Theater Mannheim

Das Haus, Kulturhaus Ludwigshafen

Kanttheater Berlin

  1. Nachhaltigkeit

Die gesamte Projektarbeit zielt darauf, das historische Bewusstsein der Menschen zu stärken, das erscheint gerade in Zeiten von Fake-News besonders wichtig. In diesem Projekt fließen konkretes Erleben und nachvollziehbares Empfinden in die Darstellung ein und lassen Miterleben und Mitempfinden der Beteiligten/ZuschauerInnen zu.