„Heimaten“

Ak.Theater Heidelberg auf der Suche nach „Heimaten“

 

Mit Beginn des neuen Jahres nimmt Ak.Theater Heidelberg Anlauf zu einem umfangreichen Programm für 2018. Im Zentrum steht der schillernde Begriff „Heimat“. Diesem nähern wir uns aus unterschiedlichen Perspektiven. Keinesfalls rückwärtsgewandt, sondern angesichts der globalen Entwicklungen, die dem Begriff seine Schwere und hinterwäldlerische Seite nehmen.

Ziel der Arbeit ist die Premiere des Stücks „Heimaten: Fremde Räume – andere Stimmen“,

die am Freitag, 5. Oktober 2018 20:00 Uhr im Dezernat #16, Emil-Maier-Straße 16, 69115 Heidelberg stattfindet.

Schon im April startet ein Vorprogramm mit 6 HeimatVeranstaltungen, das sich den vielfältigen Aspekten von Heimat widmet.

Diese Veranstaltungen finden im Romanischen Keller, Seminarstraße 3, 69117 Heidelberg
und in artes liberales – universitas, Mittelbadgasse 7, 69117 Heidelberg statt.

 

Rhein-Neckar-Zeitung vom 19. April 2018 – Ankündigung der Auftaktveranstaltung

Von Arndt Krödel

Heidelberg. Es „heimatet“ heftig heute Abend im Romanischen Keller: Der Verein „Frohsinn“ lädt ein zu zünftigen Darbietungen wie Jodeln und Schuhplatteln – wen hält es da noch zuhause auf dem Sofa? Ein „Heimat-Abend“ ist angesagt mit allen klassischen Zutaten, die dem Menschen Freude machen. Eine erste kulturelle Maßnahme des neuen Heimatministeriums in Berlin? Nein, alles Theater, nach dem Motto: „Horst, wir pflegen die Heimat!“ Mit dem vergnüglichen Spektakel startet das neue Projekt des AKT-Theaters: An sechs Abenden nähern sich die Künstler des freien Bühnenensembles unter dem Gesamtthema „Heimaten“ verschiedenen Aspekten des vielschichtigen Begriffs an, gewissermaßen als spielerische Einführung für ein Stück, das dann am 5. Oktober Premiere haben wird und aus der Feder des Theaterleiters Hubert Habig stammt. Titel: „Heimaten: Fremde Räume – andere Stimmen“.

Gemeinsam mit der Dramaturgin Christiane Adam hat Habig auch die einzelnen Themenabende konzipiert, die von heute an bis Anfang Juli im Romanischen Keller in der Seminarstraße und in der Buchhandlung „Artes liberales“ in der Mittelbadgasse stattfinden werden. Dass „Heimat“ eigentlich bei jedem Menschen eine andere Bedeutung hat, ist in die Konzeption mit eingeflossen. „Uns ging es nicht um den traditionellen Begriff von Heimat“, erläutert der Regisseur, „sondern uns war klar, dass unterschiedliche Formate von Heimat entstehen und unterschiedliche Sehnsüchte, die sich zum Teil auch diametral gegenüberstehen.“

Zum Beispiel hat derjenige, der aus seinem Land in Afrika weggegangen ist, seine angestammte Heimat verlassen – und sucht einen neuen Ort, wo er sich „beheimaten“ kann, „wenn alles super läuft, was natürlich in der Regel nicht funktioniert“, so Habig. Demgegenüber habe derjenige, der an dem Ankunftsort des Migranten beheimatet ist, möglicherweise das Gefühl, ihm werde die Heimat genommen, wenn mehr und mehr andere Leute in seine angestammte Heimat ziehen. „Deshalb versucht sich Seehofer da zu profilieren, indem er mit diesem Signal , Heimatministerium‘, den Leuten das Gefühl geben will: Wir kümmern uns schon um Euch, habt keine Angst, Ihr verliert nichts, Euer Besitzstand wird gewahrt“, stellt Habig fest. Für Christiane Adam ist das aber nicht nur eine Perspektive dieser beiden Extreme: Was Heimat bedeutet, wenn alles um einen herum immer mobiler und flexibler wird, stelle sich als Frage eigentlich jedem auch ganz persönlich, unabhängig davon, ob man aus einem fernen Land komme oder AfD-Wähler sei. „Insgesamt interessiert mich schon immer die Frage: Wie schaffen sich Menschen ein Zuhause, wie beheimaten sie sich in dieser Moderne, wo alles immer mehr in Bewegung gerät?“ Hier kommt auch die Romantik ins Spiel, die für Hubert Habig den Begriff der Heimat von ihrer Seite her noch einmal idealisiert und dann ins Geistige, Literarische und Musikalische transportiert hat.

Nach einem eher vergnüglichen Auftakt am 19. April folgt am 28. April ein Themenabend über Exilliteratur, während am 12. Mai eine Schulklasse gemeinsam mit PH-Studenten und Experten das Fach „Heimatkunde“ angeht. Der Schmerz über die verlorene Heimat steht am 20. Juni im Mittelpunkt musikalisch-literarischer Erkundigungen. Mit „Heimkunft – Herkunft – Ankunft“ beschäftigen sich Mitglieder des AKT-Theaters am 30. Juni, und am 5. Juli beschließt ein Abend mit dem Dichterkollektiv „Kamina“ die Reihe mit dem Thema „Heimatliebe“.